Di, 19. Mai 2026, 19 Uhr
Johannissaal, Schloß Nymphenburg, München

Wolfgang Manz Klavier

Davidsbündlertänze op. 6
Carnaval op. 9

u.a.

Tickets à 25/15Euro erhältlich bei MUSICAÈ
via mail@musicae.eu oder +49 89 5489 4949
oder bei MünchenTicket

SCHUMANIANA

Vielleicht ist Musik dort am wahrsten, wo sie sich dem eindeutigen Zugriff entzieht – wo sie weniger Aussage als Möglichkeit ist, weniger Form als Denkbewegung. Zwar lässt sich Robert Schumanns Werk chronologisch in Perioden einteilen, doch sind es bei ihm vor allem Zustände, die Orientierung im Schaffen ermöglichen. Denn seine Musik ist weniger linearer Fortschritt, als vielmehr vibrierendes Geflecht aus Masken, Stimmen und inneren Dialogen – ein poetischer Kosmos, in dem sich das Ich stets im Spiegel des Anderen erkennt und zugleich verliert.
„SCHUMANIANA“ versteht sich daher nicht als bloße Hommage, sondern als Einladung, Schumanns radikale Subjektivität neu zu hören: als ästhetische Haltung, die bis in die Gegenwart hineinwirkt. Die Strahlkraft dieses Denkens reicht weit über das 19. Jahrhundert hinaus. Komponisten wie György Ligeti, Helmut Lachenmann, Heinz Holliger oder Wolfgang Rihm haben Schumanns fragmentarische Form, seine poetische Mehrdeutigkeit und die Auflösung traditioneller Zeitkonzepte auf je eigene Weise weitergedacht. Was bei Schumann als subjektiver Impuls erscheint, wird in der Moderne zu einer offenen ästhetischen Strategie: Musik als Prozess, als Suchbewegung, als fortwährende Selbstbefragung.

Die Davidsbündlertänze op. 6 erscheinen dabei wie ein musikalisches Tagebuch, dessen Einträge zwischen Ekstase und Versenkung oszillieren. In ihnen begegnen wir den literarischen Alter Egos Florestan und Eusebius – nicht als feste Figuren, sondern als bewegliche Energien, die den musikalischen Verlauf durchziehen. Diese Miniaturen verweigern jede konventionelle Dramaturgie; sie sind Splitter eines Bewusstseinsstroms, in dem sich Intimität und Ironie unauflöslich verschränken.

Ähnlich vielschichtig entfaltet sich Carnaval op. 9 – ein Maskenball, dessen scheinbare Leichtigkeit von subkutanen Spannungen durchzogen ist. Hinter den klingenden Porträts von Figuren wie Frédéric Chopin oder Niccolò Paganini verbirgt sich ein kompositorisches Spiel mit Chiffren, Codes und Identitäten. Schumann entwirft hier eine musikalische Semiotik avant la lettre: Themen werden zu Zeichen, Motive zu geheimen Signalen eines künstlerischen Selbstverständnisses, das sich der eindeutigen Lesbarkeit entzieht.

Wolfgang Manz, Jahrgang 1960, ist Preisträger bedeutender internationaler Pianistenwettbewerbe wie Leeds (1981) und Brüssel (Concours Reine Elisabeth, 1983), bei denen er als erster Deutscher einen jeweils 2. Preis errang. Außerdem gewann er 1980 in Berlin den Mendelssohn-Bartholdy – Preis, 1982 einen 2. Preis beim Deutschen Musikwettbewerb in Bonn sowie 1989 beim Van Cliburn International Pianoforte Competition in Texas/USA einen Jury – Spezialpreis.
Wolfgang Manz wurde pianistisch durch den Einfluss zweier unterschiedlicher Traditionen geformt : Seine technisch – musikalische Grundausbildung empfing er durch den tschechischen Pianisten Drahomir Toman, einen Vertreter der osteuropäischen Schule, die ihren Ursprung bei Theodor Leschetizky findet, während er in der Klavierklasse von Karlheinz Kämmerling an der Hochschule für Musik und Theater Hannover durch die deutsche Tradition, wurzelnd bei Hugo Steurer und Robert Teichmüller, geprägt wurde.
Seit seinen Wettbewerbserfolgen ist Wolfgang Manz ein gefragter Solist für Konzerte mit Orchester sowie für Solorezitale und Kammermusik. Sein Repertoire besteht aus über 50 Klavierkonzerten und einem umfassenden Solo- und Kammermusikprogramm von Bach bis zur Moderne.
Seit 2000 ist Wolfgang Manz Professor für Klavier an der Hochschule für Musik Nürnberg.

Karten zu 25 Euro und 15 Euro (ermäßigt) sind unter mail@musicae.eu erhältlich, wie auch unter 089 / 5489 4949, oder an der Abendkasse.